Leitgedanken unserer täglichen Unterrichtspraxis:

 

Selbständigkeitserziehung
Wir erachten es als wichtig, die SchülerInnen langfristig zu einer möglichst hohen Eigenständigkeit und Unabhängigkeit zu führen. Für die tägliche Unterrichtspraxis hat dieser Leitgedanke viele Konsequenzen. Unterrichtsinhalte sollen methodisch so aufbereitet werden, dass Schüler sich diese eigentätig erschließen können. Zunächst notwendige Hilfestellungen sollen nach Möglichkeit mit der Zeit abgebaut werden. Selbständigkeit ist jedoch mehr als Eigenaktivität. Sie beruht auf Kompetenzen, die Schülern systematisch auf praktischer Ebene ebenso wie auf der Ebene der Reflexion vermittelt werden müssen. Getragen wird sie von dem Bewusstsein, Lebensräume aktiv mitgestalten zu können.

 

Lebensbedeutsamkeit
Die Auswahl von Unterrichtsinhalten orientiert sich am Lehrplan und daran, ob sich für die Schüler eine in der Gegenwart oder in der Zukunft liegende Sinnhaftigkeit in ihrem Leben ergibt. Beispielsweise lernen die Schüler den Umgang mit Geld unter anderem im Lernzusammenhang „Schülercafé“, also durch konkretes Einkaufen oder Verkaufen.
Ein/e SchülerIn, die/der eine Einkaufsliste lesen kann, wird sich eigenständig in einem Supermarkt bewegen können und so den unmittelbaren Nutzen ihrer/seiner Lesekompetenz erfahren.

 

Unterrichtsbereiche:

 

Rechnen

Im Bereich Rechnen steht zunächst die Pränumerik im Vordergrund. Hierbei geht es um die Kenntnis von Farben und Formen, um qualitative und quantitative Vergleiche sowie um Gruppen- und Reihenbildung. Darauf aufbauend machen die SchülerInnen erste Erfahrungen mit Mengen und Zahlen, zunächst konkret handelnd und häufig eingebunden in täglich wiederkehrende Situationen im Schulalltag, später dann auch auf der bildlich abstrakten Ebene. Die Vermittlung der Grundrechenarten Addition und Subtraktion stellt eine wichtige Grundlage für den selbständigen Umgang mit Geld dar. Ferner werden in den Schulalltag eingebunden Zeitbegriffe, Zeiträume und der Kalender erarbeitet. In den höheren Klassen werden schließlich auch Themen wie Maße und Gewichte oder Anwendungen wie das Erlesen von Fahrplänen mit in den Rechenunterricht eingebunden.

 

Lesen / Schreiben

Der Leselernprozess beginnt für unsere SchülerInnen bereits mit dem Lesen von Situationen. Personen oder Gegenstände und deren Bedeutung in bestimmten Situationen werden erkannt. Daran anschließend erfolgt das Lesen von Bildern und weiter von Piktogrammen, d.h. von Bildzeichen wie z.B. die Zeichen für Damen- bzw. Herrentoilette. Weiter geht es im Leselernprozess mit dem sogenannten Signalwortlesen, d.h. dem Erkennen von typischen Schriftzügen (z.B. Produktnamen auf Verpackungen) sowie von Ganzwörtern (z.B. den eigenen Vornamen, Wochentage …).

Erst danach findet ein Lesen lernen im herkömmlichen Sinne statt als sinnentnehmendes Erlesen von Buchstaben, Wörtern und Texten.

Alle SchülerInnen der Schule lernen anhand eines Lehrganges das Lesen und Schreiben.

Dieser Leselehrgang wurde von Lehrkräften unserer Schule entwickelt.


SchülerInnen ohne aktive Sprache arbeiten mit den Methoden der Unterstützten Kommunikation. In ausgewählten Unterrichtsbereichen werden den Möglichkeiten der SchülerInnen entsprechend Gebärden, Bildsymbole bzw. elektronische Sprachausgabegeräte, sogenannte“ Talker“ eingesetzt.

 

 

Bewegung und Sport

Für die jüngeren SchülerInnen steht zunächst eine allgemeine Förderung der Motorik und basaler Wahrnehmungsbereiche im Vordergrund. Durch eine Förderung der Körperwahrnehmung, der Nah- und Fernsinne und eine Schulung der Raumwahrnehmung und Körperkoordination werden oft erst notwendige Voraussetzungen für schulisches Lernen im engeren Sinne geschaffen. Auch im weiteren Verlauf einer Schullaufbahn werden Inhalte immer wieder mit Bewegungserfahrungen verknüpft und so „ganzheitlich“ erfahren.

Mit dem Alter der SchülerInnen wächst deren Bedürfnis, richtige“ Sportarten zu betreiben. Viele entwickeln auch einen gewissen Ehrgeiz, wollen sich mit anderen messen, Leistungen erzielen und derart sich selbst und ihre Grenzen erfahren. KlassischeBallsportarten, Schwimmen und Leichtathletik, sowie die regelmäßige Teilnahme an regionalenWettkämpfen werden so zu wichtigen Inhalten des Schullebens.

 

Rahmenthema

In jeder Klasse werden epochal bestimmte Rahmenthemen erarbeitet, welche sich an den Interessen der SchülerInnen sowie ihrem Alter und Entwicklungs- und Wissensstand orientieren. Viele dieser Themen bauen aufeinander auf und kehren somit in höheren Stufen wieder, selbstverständlich mit anderen Schwerpunkten und Inhalten. Ein Beispiel hierfür wäre das Thema „Mein Körper“, welches sich in den unteren Klassen mit dem Wissen und der Funktion des Körpers und der Sinne beschäftigt. In der Pubertät wird die Auseinandersetzung mit den Veränderungen des eigenen Körpers wichtig und später spielen Themen wie Liebe und Sexualität in diesem Unterrichtsbereich eine Rolle.

Weitere Beispiele für häufig angebotene Rahmenthemen wären „Meine Klasse“, „Jahreszeiten“„ Verkehrserziehung“, „Freizeitgestaltung“, oder „Berufskunde“.

 

Rhythmik und Musik

Auch rhythmisch-musikalische Angebote haben ein stark entwicklungsförderndes Potential für unsere Schüler. In einfachen Spielliedern, Liedern und Versen zu bestimmten Anlässen und Themen, dem Einsatz von Rhythmik-Material oder kleinem Schlagwerk werden grundlegende Wahrnehmungsleistungen, die soziale Wahrnehmung und die Sprech- und Sprachkompetenz geschult. Verschiedene Stufensingkreise, ein Schulchor sowie eine Trommelgruppe gehören ebenso zum Schulleben wie das regelmäßige Singen der Schulgemeinschaft zu verschiedenen feierlichen Anlässen.

 

 

Kunst / Werken

Künstlerische Angebote basieren auf der Förderung grundlegender Fähigkeiten wie an- und ausmalen, schneiden und erstem gegenständlichen Malen. Das angeleitete Experimentieren mit verschiedenen Farben und Techniken sowie das Herstellen von jahreszeitlichen Dekorationselementen und Geschenken geben den SchülerInnenn die Möglichkeit kreativ tätig zu sein.

Mit zunehmendem Alter der SchülerInnen geht dieser Bereich in die Arbeitslehre über, welche sich mit der Materialkunde von Holz, Metall und Kunststoff beschäftigt. Die SchülerInnen erhalten die Möglichkeit, sich mit dem Trennen (z.B. sägen) und Verbinden (z.B. schrauben, leimen) dieser Werkstoffe sowie deren Oberflächenbehandlung (z.B. ölen, lasieren) auseinander zu setzen.

 

Hauswirtschaft
Die Vermittlung hauswirtschaftlicher Kompetenzen hat einen hohen Stellenwert im Unterrichtsalltag und beginnt bereits in der Unterstufe. In vielen Lernzusammenhängen wie den täglichen Tätigkeiten rund um die Mahlzeiten, beim Wohntraining in der Schulwohnung, im Schülercafé oder auf mehrtägigen Klassenfahrten fallen hauswirtschaftliche Tätigkeiten wie selbstverständlich an und es ergeben sich viele wichtige Lernanlässe im Sinne einer Selbständigkeitsförderung für die Schüler. Praktische Fertigkeiten ergänzen sich hier mit Fachkenntnissen sowie Lesekompetenzen oder mathematischen Kompetenzen. Die Förderung der Schüler in hauswirtschaftlichen Bereichen dient nicht nur der allgemeinen Vorbereitung auf ein möglichst eigenständiges Leben, sie ist für manche Schüler auch Berufsorientierung und -vorbereitung, da sie später in hauswirtschaftlichen Berufsfeldern tätig sein werden (Großküche, Wäscherei, Reinigungstätigkeiten in Außenarbeitsgruppen…).

 

Berufsorientierung

Berufsorientierender Unterricht beginnt in der Oberstufe und wird verstärkt in der Werkstufe durchgeführt. Dort wird in verschiedenen klassenübergreifenden Praxisgruppen systematisch in bestimmte Berufsfelder (Hauswirtschaft, Dienstleistungsbereich, handwerklicher Bereich, Gartenbereich) eingeführt.

Die Schüler können sich in konkreten Praxisfeldern erproben. Erste diagnostisch relevante Aussagen über Eignungen für ein bestimmtes Berufsfeld lassen sich treffen und gemeinsam mit dem Schüler reflektieren. Berufsbezogene Schlüsselkompetenzen und erste berufsfeldbezogene Kernkompetenzen werden erworben. Dieser Unterricht und deren Selbsterfahrungspotential bietet eine Grundlage der Berufsorientierung. Parallel zu den Praxisgruppen wird begleitend berufskundlicher Unterricht angeboten. Hier geht es um das Kennenlernen zukunftsrelevanter Berufsprofile, Hygiene am Arbeitsplatz, Sicherheit am Arbeitsplatz, Arbeit und Lohn, die Reflexion beruflicher Schlüsselkompetenzen sowie Mobilitätstraining für Selbstfahrer.Alle Schüler der Werkstufe leisten ein 14 tägiges Regelpraktikum pro Jahr ab, welches entweder in einer Tagesförderstätte, in der WfbM (Werkstatt für behinderte Menschen) oder in einem Betrieb des ersten Arbeitsmarktes stattfindet. Schülerpraktika werden geplant, durchgeführt, reflektiert und dokumentiert. Die Schüler des 12. Schulbesuchsjahres leisten zusätzlich regulär ein einwöchiges Praktikum im Berufsbildungsbereich der WfbM ab. Hinzu kommen für Schüler mit vorhandener Eignung verschiedene Zusatzpraktika in Integrationsbetrieben und anderen Betrieben des ersten Arbeitsmarktes. Diesbezüglich findet eine enge Kooperation mit dem Integrationsfachdienst Rubin (Hr. Frary) statt.
Neben der konkreten Arbeitspraxis im berufsfeldbezogenen Unterricht und dem damit verbundenen Erwerb erster beruflicher Schlüsselkompetenzen sollen sich alle Schüler der Werkstufe auch durch Betriebsbesichtigungen ein anschauliches Bild von Berufsprofilen machen können. Auch diese werden dokumentiert und reflektiert.

Bezüglich einer beruflichen Eingliederung nach der Schulzeit kooperiert die Schule eng mit der Agentur für Arbeit.

 
   

 Außerschulische Lernorte

Der Unterricht findet häufig außerhalb der Schule statt, da viele Unterrichtsinhalte an konkretes Erleben und unmittelbare Anschauung gebunden sind und kaum „abstrakt“ vermittelt werden können.

Ein wichtiger außerschulischer Lernort ist z.B. die Schulwohnung bzw. Trainingswohnung. SchülerInnen unserer Schule haben die Möglichkeit, in einer in der Innenstadt gelegenen Schulwohnung ein ein- bis mehrtägiges Wohntraining durchzuführen. Dieses Vorhaben ist dem Ziel „Selbständig leben lernen“ zugeordnet. Über den Zeitrahmen des Unterrichts hinaus kann hier eine vertiefte Auseinandersetzung mit den Themen Hauswirtschaft oder Freizeitgestaltung stattfinden. Weitere außerschulische Lernorte sind in der Stadt gelegene Behörden oder Ämter, ein nahegelegenes Einkaufszentrum, die Schwimmbäder "Monte mare", in dem unsere Schwimm-AG regelmäßig stattfindet, und das Warmfreibad. Auch der die Schule umgebende schöne Wald sowie ein zu Fuß zu erreichender Wildpark ermöglichen Lernerfahrungen verschiedenster Art.